Immer mehr Personalabteilungen setzen auf Job Enlargement und Job Enrichment, um Arbeitsplätze interessanter zu gestalten und die Produktivität zu erhöhen.
Wenn Sie auf TikTok den Hashtag #boredatwork eingeben, finden Sie über 200.000 Videos. Langweile scheint den Alltag vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu prägen. Wer sich langweilt, ist unmotiviert und wird sich sicher nicht mit herausragenden Leistungen hervortun. Doch wirkt sich Langeweile nicht nur auf die Leistung aus. Sie steigert auch das Kündigungsrisiko. Außerdem können es sich Unternehmen in wirtschaftlich angespannten Zeiten mit hohem Kostendruck kaum leisten, das Potenzial der Mitarbeitenden schlecht auszuschöpfen. Mit Job Enlargement und Job Enrichment schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie locken Ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Langeweilefalle. Die Motivation steigt und sie können sich weiterentwickeln. Und: Sie erledigen mit Ihrem Stammpersonal ein breiteres Spektrum an Aufgaben. Lassen Sie uns die Konzepte zur Personalentwicklung einmal näher anschauen.
Unter Job Enlargement verstehen wir die horizontale Erweiterung des Aufgabenbereichs von Mitarbeitenden. Sie übernehmen weitere Tätigkeiten, die denen entsprechen, die sie bisher ausüben. Erstellt eine Sachbearbeiterin beispielsweise Arbeitsverträge, passt diese an und pflegt die Personalakten, kann ein Job Enlargement unterschiedlich aussehen:
Wie auch immer das neue Aufgabenspektrum zugeschnitten ist, der Arbeitsalltag wird abwechslungsreicher und vielseitiger – die Motivation steigt. Die Mitarbeiterin kann Kolleginnen und Kollegen mit einer hohen Auslastung unter die Arme greifen. Indem sie neue Einblicke gewinnt, fällt es ihr leichter, die Employee Experience im Unternehmen nachzuvollziehen. Wenn die Sachbearbeiterin mehrere Aufgaben übernehmen kann, werden Abläufe effizienter, da sich weniger Personen miteinander abstimmen müssen. Als Arbeitgeber profitieren Sie davon, dass Sie Mitarbeitende flexibler einsetzen können. Jenseits des HR-Bereichs gelingt es über Job Enlargement, Produktions- und Prozessengpässe besser abzufangen. Zudem handelt es sich um einen wertvollen Beitrag zur Mitarbeiterentwicklung. Der Qualifikationsgrad im Unternehmen steigt.
Allerdings gilt es auch zu bedenken: Wird einer Person ein größerer Aufgabenbereich übertragen, muss das Team diese Verschiebung auffangen können. Sonst entstehen neue Belastungen an anderer Stelle. Gerade in nicht wachsenden Organisationen ist Job Enlargement deshalb weniger eine „Ausweitung“, sondern oft eine Neuverteilung von Arbeit. Diese sollte gut moderiert und transparent abgestimmt werden, damit keine Frustration entsteht.
Anders als beim Job Enlargement übernehmen Mitarbeitende beim Job Enrichment mehr Verantwortung. Ihr Aufgabenspektrum erweitert sich vertikal. Sie können und müssen mehr selbstständig entscheiden. Die Tätigkeiten werden komplexer. War jemand in der Personalabteilung bisher primär damit beschäftigt, Bewerbungsgespräche zu führen und zu protokollieren, wächst er durch Job Enlargement in eine Stelle mit Entscheidungsbefugnis hinein:
Ein weiteres Beispiel: Eine Kollegin organisiert Weiterbildungsmaßnahmen. Schon nach kurzer Zeit beherrscht sie die gesamten operativen Abläufe wie Seminarbuchungen, Abstimmung mit Anbietern und Teilnehmerverwaltung aus dem Effeff und wirkt gelangweilt. Höchste Zeit für mehr Verantwortung per Job Enrichment:
Mit Job Enrichment qualifizieren Sie Ihr Personal weiter und binden es ans Unternehmen. Statt Fachkräfte zu rekrutieren, bieten Sie Mitarbeitenden aus dem operativen Bereich die Möglichkeit, in strategische Positionen hineinzuwachsen. Sie profitieren davon, dass Sie die Person bereits kennen und ihr Potenzial gut einschätzen können. Außerdem straffen Sie Prozesse, wenn einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese ganzheitlich bearbeiten.
Sowohl Job Enlargement als auch Job Enrichment fördern die Personalentwicklung. Wie bei vielen HR-Maßnahmen hängt der Erfolg von der Umsetzung ab:
In der Praxis stolpern Personalerinnen und Personalern bei Job Enlargement und Enrichment oft über ähnliche Steine: fehlende Kapazitäten, zurückhaltende Führungskräfte oder Überforderung im Team. Setzen Sie gezielt auf Pilotphasen, einfache Feedback-Tools wie Pulse-Checks und realistische Rollendefinitionen. Nicht jede Maßnahme muss sofort perfekt sein – entscheidend ist, dass sie trägt. Gute Kommunikation, kleine Schritte und gelebte Freiwilligkeit sind dabei oft der Schlüssel zum Erfolg.