Endlich Konsent: Beenden Sie die langwierige Suche nach der perfekten Lösung
Um diese Selbstorganisation gut umsetzen zu können, gilt für Entscheidungen das Prinzip des Konsententscheids. Und genau diese Methodik kann auch außerhalb der Selbstorganisation Menschen in Führungssituationen helfen, Entscheidungen mit dem Team effektiv zu treffen.
Projektleitung, Elternschaft, Führungskraft, Coach – im Alltag werden immer mehr Menschen in sehr vielen Rollen gefordert. Was sich am Anfang meist spannend und fördernd anfühlt, verfliegt mit der Zeit und wird zur Last, die auf zwei Schultern einsam ruht. In all den Themenfeldern wollen unendlich viele Einzelheiten schnell und kompetent entschieden werden. Immer wieder fragt man sich: Was zuerst machen? Wie wichtig ist x versus y? Wem welche Aufgabe zuteilen?
Und dann ein Lichtblick – in der Soziokratie können Entscheidungen auch anders, leichter, gemeinschaftlicher getroffen werden. An sich nichts Neues, doch warum wenden wir es dann nicht an? Könnten wir es nicht einfach von der Soziokratie pragmatisch „stehlen“ und es als Ungeübte mit dem eigenen Team durchziehen?
Um den Konsententscheid anwenden zu können, muss man wissen, worum es sich dabei genau handelt, wie er funktioniert und wie man ihn im Team einführt. Und dann: einfach mal machen?!
Beim Konsententscheid wird gefragt, wer einen schwerwiegenden Einwand gegen die Entscheidung hat (versus Konsensentscheid: Hier wird gefragt, wer mit der Entscheidung einverstanden ist.).
Erklären Sie vor der anstehenden Entscheidung, dass Sie gemeinsam mit dem Team etwas Neues ausprobieren möchten. Eine neue Art, Entscheidungen gut gemeinsam zu treffen. Teilen Sie den daran Beteiligten mit, dass Sie nach dem Prinzip des Konsententscheids arbeiten werden. Erläutern Sie kurz das Prinzip. Geben Sie Sicherheit, indem Sie versprechen, diese neue Methodik durchzumoderieren und allen zu helfen, sie gut anzuwenden.
Ich selbst habe das erste Mal den Konsententscheid „in action“ bei unserem Unternehmenswerte-Projekt erlebt. Ein diverses Team, welches aus allen Ecken unseres Unternehmens zusammenkam, um in mehreren Workshopschleifen sowohl die Werte als auch deren Erläuterung zu erarbeiten. Nicht einfach, weil eben unterschiedlich – und genau deshalb so gewünscht. Werte gehen eben alle etwas an!
Wie einigt man sich? Mit dem Konsententscheid! Sowohl bei der Endauswahl unserer 7 Werte als auch bei jedem Erläuterungssatz. Das hat es wesentlich einfacher gemacht, die Formulierungen derart anzupassen, dass kein Störgefühl mehr im Team vorhanden war. So haben wir uns Wert für Wert vorangearbeitet.
Ging das besonders schnell? Nein, aber vom Gefühl her wesentlich schneller, als immer zu diskutieren, ohne konkret zu werden. Und effektiver, da nicht jede/r jedesmal zustimmen musste und kein Raum war für Allgemeinplätze wie „Könnte man nicht auch ...“, „Fehlt da nicht …“, „Also ich muss dazu noch anmerken, dass …“. Und man spürte richtig, dass am Ende alle im Team dahinterstanden. Das hat mich so überzeugt, dass dieser Blogbeitrag entstanden ist. Und der Konsententscheid seitdem fest in meinem Methodenrepertoire verankert ist.
Wenn Sie die Führung im Team haben, tragen Sie meist auch die Verantwortung. Sie sollten vor einer Entscheidung also prüfen, ob das Team die anstehende Entscheidung überhaupt mittragen kann oder soll. Es gibt Entscheidungen,
Für ein Team, welches nicht komplett selbstorganisiert arbeitet, können beispielsweise Personalentscheidungen, Entscheidungen zu Gehalt und Bonus oder extrem hohe Investitionsentscheidungen zu viel sein. Das bedeutet nicht, dass sich ein Team nicht in diese Richtung entwickeln kann. Es empfiehlt sich, kleine Schritte zu mehr Beteiligung und Selbstorganisation zu gehen, um zu schauen, wie viel Einbeziehung und Verantwortung das Team gut verdauen kann.
Das Gefühl, nicht alles alleine entscheiden zu müssen, fühlt sich für die meisten von uns leichter an. Es bedeutet zwar auch, loslassen zu können und andere in ihren Bedenken so ernst zu nehmen, dass sie Entscheidungen verändern können. Dafür trägt der Beschluss als Team sicherer und länger. Es verhindert das einstimmige Nicken, welches sich hinterher als unterschwellige Ablehnung herausstellt.
Fazit: Mit der richtigen Methodik machen Entscheidungen richtig Spaß und verbinden unterschiedliche Sichtweisen zu einem schlagkräftigen Team.