Offboarding gut vorbereiten: mit Empathie und Klarheit durch das Kündigungsgespräch.
Laut Clemens Fuest, dem Präsidenten des ifo Instituts, „gehören Entlassungen und die Verlagerung von Arbeitskräften inzwischen in einigen Branchen leider zum normalen wirtschaftlichen Strukturwandel“[1]. In wirtschaftlich schwierigen, von Transformation und Umstrukturierungen geprägten Zeiten müssen sich Personaler regelmäßig mit der Sozialauswahl befassen und betriebsbedingte Kündigungen umsetzen. In diesen Fällen ist HR nicht nur gefordert, Verträge rechtlich sauber aufzulösen – sei es aufgrund von Personalabbau oder der Neuausrichtung des Unternehmens. Personaler stehen auch vor der schwierigen Aufgabe, die Kündigung einfühlsam und professionell zu kommunizieren.
Denn anders als im Film „Up in the Air“[2], wo George Clooney alias Ryan Bingham diese Aufgabe als Dienstleister ungerührt übernimmt, können (und sollten) Personaler diese nicht delegieren. Das kann zwar emotional belasten, ist aber dennoch als Auftakt des Offboardings eine der letzten Möglichkeiten, das Unternehmen auch in schwierigen Situationen von seiner besten Seite zu zeigen.
Ein sorgfältig vorbereitetes und wertschätzendes Entlassungsmanagement lohnt sich in verschiedener Hinsicht:
Für Sie als Personaler gehört das Offboarding zu Ihren Aufgaben, für die Sie im Laufe der Zeit eine gewisse Routine entwickelt haben. Die Betroffenen hingegen erleben das Trennungsgespräch als einschneidendes persönliches Ereignis. Dem werden Sie gerecht, indem Sie sich auf jedes Gespräch gut vorbereiten. Begrüßen Sie die Mitarbeitenden mit Namen – lesen Sie diese bitte nicht ab. Ebenso sollten Sie sich wesentliche Informationen zu Ihrem Gegenüber, etwa den persönlichen Hintergrund und die Betriebszugehörigkeit, einprägen und parat haben.
Legen Sie sich alle Unterlagen bereit und stecken Sie im Vorfeld den Verhandlungsrahmen ab: Müssen Sie eine Abfindung anbieten und wie hoch kann diese sein? Soll die Kollegin oder der Kollege freigestellt werden? Eine Freistellung mit sofortiger Wirkung ermöglicht den Betroffenen, die Kündigung erst einmal zu verdauen. Sie kann aber auch für erhebliche Unruhe sorgen. Hier gilt es abzuwägen:
Neben Ihnen als Personaler wird eine Führungskraft oder ein Vertreter des Managements am Kündigungsgespräch teilnehmen. Während Sie alle Details nennen, spricht die vorgesetzte Person die Kündigung aus. Das kann die direkte Führungskraft sein oder eine weiter entfernte Person aus dem Management. Für die Teamleitung spricht, dass sie die Mitarbeitenden persönlich näher kennt und eher die nötige Sensibilität in dieser schwierigen Situation mitbringt. Auf der anderen Seite kann es das gesamte Team belasten, wenn der Leitung der „schwarze Peter“ zugeschoben wird. Spricht ein höher gestelltes Mitglied des Managements die Kündigung aus, schlagen die Wellen möglicherweise weniger hoch.
Im Gespräch selbst wird die Trennungsbotschaft klar und ehrlich formuliert. Es sollte nicht länger als eine Viertelstunde dauern und läuft sowohl bei einer betriebsbedingten als auch bei einer leistungs- bzw. verhaltensbedingten Kündigung ähnlich ab:
Auch wenn sie gut begründet sind: Kaum ein Personaler spricht gerne Kündigungen aus. Umso wichtiger, dass Sie die Gespräche gut vorbereiten sowie wertschätzend und professionell durchführen. Denn wenn Sie im Guten auseinandergehen, beugen Sie zusätzlichem Frust bei den Mitarbeitenden vor. So vermeiden Sie, dass Ihr Ruf als Arbeitgeber intern und extern Schaden nimmt.
[1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/fuest-wirtschaftswachstum-bundestagswahl-donald-trump-100.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Up_in_the_Air
[3] https://www.zdf.de/nachrichten/ratgeber/stille-kuendigung-quiet-firing-100.html